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Der Einzige, der unterwegs ist?

Somerset West liegt mit seinen rund 55.000 Einwohnern etwa 40 Kilometer östlich von Capetown. Das ergab jedenfalls die letzte offizielle Erfassung 2011, Hochrechnungen zu aktuellen Zahlen gibt es viele und sie weichen mächtig voneinander ab. Lord Charles Henry Sommerset war 1819 Gouverneur der britischen Kapkolonie dort und fungierte schließlich als Namenspate. Das war recht üblich so. Über die Jahre und alle kleinen und großen Siedlungsprogramme hinweg hat sich Sommerst seinen freundlichen Kleinstadt-Charakter erhalten, viele der älteren Häuser und Anwesen schmiegen sich an die Berge und bieten einen atemberaubenden Blick auf den Atlantik. So auch das Guesthouse „de Molen“, in dem ich für einige Nächte untergekommen bin. Auch hier alles vorbildlich. Am Eingang werden die Hände desinfiziert, im Frühstücksraum achtet man darauf, die Gäste weit genug auseinander zu setzen, manche ziehen es eh vor, gleich draußen zu essen. So wie ich. Immerhin scheint hier die Sonne und es sind schon um 09:00 rund 20 Grad.

 

Bei meinem ausgiebigen Spaziergang am Strand stelle ich fest: hier sind genau so wenig Menschen unterwegs, wie sie es sonst waren. Nicht mehr und nicht weniger. Alles beim Alten. Und ich weiß einmal mehr, warum ich so gerne hier bin. Dann fahre ich zum Weingut Vergelegen. Schon am Gate wird freundlich meine Temperatur gemessen, alles unauffällig, also darf ich weiterfahren. Im Gut selbst werde ich von Gladys begrüßt, die herzlich fragt, was er Grund für meinen Besuch ist. Das Tasting, das ich machen möchtet, arrangiert sie draußen auf der Veranda und wir kommen ins Gespräch. Als sie merkt, dass ich gar kein Südafrikaner bin, fragt sie erstaunt: „Aus Deutschland? Durftest du denn da überhaupt fliegen? Ich dachte, alle Flüge seien gestoppt?“ Nun, sind sie nicht, und im Gespräch erfahre ich, dass Gladys sich dieselben Gedanken macht wie wohl Millionen andere Menschen überall auf der Welt auch. Wann und wie werden wir die Pandemie wohl endlich so weit in den Griff bekommen, dass sie nicht mehr uns im Griff hat?

 

Später treffe ich Sean, den Sohn österreichischer Einwanderer, der eine kleine Massagepraxis betreibt und sich 90 Minuten an mir abarbeitet. Eigentlich macht er ja Musik, erzählt er mir, steht auf Rapp und mischt eigene Songs. Aber davon kann er nicht leben. Und wenn er nicht arbeiten müsste, dann würde er eh lieber am Meer sein. Wellenreiten. Sympathischer Kerl, gute Arbeit, anschließend möchte ich liegen bleiben und sagen: „fang noch mal von vorn an…“. Aber ich tu´s nicht, hab noch ein anderes Appointment heute, das Restaurant „Henri´s“. Dort war ich schon oft mit meinen Reisegruppen und will sehen, wie es heute so ist. Und was soll ich sagen – es ist prima. Masken, Desinfektion, Abstand. Und gute Laune. Man ist wild entschlossen, sich der Situation entgegenzustemmen. Denn das kann ich zweifellos feststellen: es sind deutlich weniger Tische besetzt als das sonst der Fall war.

 

 

Guesthouse, Strand, Weingut, Massage, Restaurant – ein Tag voller Erlebnisse und Begegnungen in dieser verträumten kleinen Stadt, in der die Straßen so breit und leer sind, dass man meinen könnte, der Einzige zu sein, der unterwegs ist. Den Eindruck verliert man allerdings spätestens an der Hauptkreuzung. 

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