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Leider leer

Seit jetzt etwas mehr als eine Woche bin ich in Südafrika unterwegs und mache weitestgehend dieselbe Entdeckung: Wohin auch immer ich komme, außer mir ist kaum jemand oder niemand dort. Im Moment bin ich in George, einer mittelgroßen Stadt an der Gardenroute, und wieder einmal der einzige Gast im Haus. Es ist wirklich niemand sonst hier, alles leer. Gestern erzählte mir Lee, Besitzer des Burrough Place Guesthouse, dass selbst die Gäste aus Südafrika noch nicht kommen, weil die Regierung beschlossen hat, die Schulzeit zu verlängern und die Ferien zu verkürzen. Weil man im letzten Jahr durch allerhand Shut- and Lockdowns zu viel Stoff verpasst hat. Das ist ja eigentlich gut. Aber so bleiben erst mal die Touristen zum Beispiel aus Gauteng, der Provinz um Johannesburg und Pretoria, aus und kommen maximal in ein bis zwei Wochen. Aber auch nur dann, wenn die Regierung bis dahin nicht beschließt, die Strände zu schließen. Das macht sie nämlich manchmal, weil gerade um Weihnachten und Neujahr an den Beaches ganz großer Aufritt ist. Da wird gegrillt, gefeiert, gelacht --- und tausende von Menschen sind sich sehr nah. Letztes Jahr fiel das aus, für dieses Jahr ist es noch nicht sicher. Sicher aber ist dies: Wenn die Strände dicht sind, kommen die Touristen nicht. Denn die kommen auch wegen der Strände.

 

Auch in den Restaurants ist es ziemlich ruhig dieser Tage, und das ist leider nicht die Ruhe vor dem Sturm. Die Lage ist prekär. Wo es in Deutschland Hilfen und Unterstützung vom Staat gibt, bleiben sich die meisten hier selbst überlassen. Eine gewisse Form staatlicher Förderung bekommen hier maximal Unternehmen, die zu „80 percent black ownd“ sind, erzählt mir Lee. Und das sind die wenigsten. Und Jake, Besitzer von „Apple and Spice“, erzählt mir, dass er das Guetshouse erst vor wenigen Monaten gekauft hat und dass ein großer Teil seiner Pension da hineingeflossen ist. Dann verstarben in nur kurzem Abstand zwei seiner wichtigsten Mitarbeiter. Jake selbst ist nämlich eigentlich aus dem IT-Bereich und muss jetzt erst mal ohne Koch und Manager auskommen. Was auch deshalb noch geht, weil er keine Gäste hat. Nur mich eben, und das auch nur für zwei Nächte. „Ich hatte nicht damit gerechnet“, sagt er, „dass du überhaupt kommst, Detlef. Um so mehr freue ich mich, dass du da bist“. 13 Guesthouses stehen in George gerade zum Verkauf.

 

Derweil gehen die Überlegungen hier wie in allen anderen Ländern weiter, welche Auswirkungen zu befürchten sind, wenn Menschen sich entweder weiterhin nicht impfen lassen oder wenn sie, an welcher Variante auch immer, erkranken. Bei der oft recht emotional geführten Debatte bleiben Argumente dann leider oft außen vor oder werden schlicht nicht ernstgenommen, weil sie rasch durch Gegenargumente widerlegt werden. Das ein Argument und eine Meinung nicht dasselbe sind, interessiert dabei viele nicht.

 

 

Mir bleiben weitere acht Nächte in Südafrika, bevor ich mich wieder auf den Rückweg mache. Ich bin im Gespräch mit meiner Familie und meinem Travelagent, kümmere mich um Tests und Nachweise und onlinige Einreiseanmeldungen und werde tun, was ich kann, dass ich gesund nach Hause komme. Und mich dann bis Anfang des Jahres in die häusliche Quarantäne begeben. Vorher aber werde ich hier noch mehr als eine Woche Zeit haben, die Menschen zu treffen, wegen denen ich auch hier bin. Zwei alte Damen aus dem Township Kayhelitsha zum Beispiel, wo ich mit einigen Freunden eine Suppenküche unterstütze. Und Annelea, eine Kollegin von früher, die jetzt zwar in Kanada lebt, zur Zeit aber ihre Familie hier besucht. Roaline und Theo, Brendan und Nigel, Ben, Drew und Ntando, da wird es noch viele nette Begegnungen geben. Alle immer unter Einhaltung der entsprechenden Hygiene-Maßnahmen, versteht sich. Der Rest liegt in Gottes Hand.

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